Mi 03.06.2020, 19.30 Uhr: Cernan trifft Bernd Regenauer - Internet-Videostream - Details siehe TOUR

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22.05.2020

Hoffnung: in die Stabilisierungsmaßnahmen zur Rettung von Künstlern und Kulturbetrieben ist wieder Bewegung gekommen...
Nach vorliegenden und noch unbestätigten Recherchen plant der Bund, sich hier dicht und zeitnah am aktuellen Lufthansa-Rettungspaket zu orientieren. Begründung: Die Kunst ist die Fluggesellschaft unserer Fantasien. Und wer fliegt, sieht die Welt von oben und muß sich nicht mit dem irdischen Scheiß herumschlagen, also tolle Sache, das mit dem Kunstgedöns.

Doch was steht in Aussicht? Nun, jeder Künstler, egal ob übergewichtig oder katholisch oder depressives KSK-Mitglied, erhält pauschal mindestens 4,5 Milliarden Euro, sofern er alle noch nicht genau definierten Kriterien erfüllt.

Klar ist jedoch schon jetzt: Der Bund beteiligt sich im Kunstbetrieb erst mal mit stillen Einlagen. Die stillen Einlagen des Bundes haben auf der Bühne rein pantomimischen Charakter und greifen insofern nicht verbal störend ins Geschehen ein. Vielleicht, dass der Bund mit kleineren Tanz-Choreografien aufwartet, Männerballett oder Sackhüpfen oder einfach als Einlage einen aus einer Waldorfschule nachgespielten und getanzten Sketch (Namen nach Zahlen) - man weiß es nicht und darf gespannt sein.
Jedenfalls sollen mit dem Rettungspaket etwaige feindliche Übernahmen von Künstlern verhindert werden. Da sage ich: Bravo! Deutsche Künstler sollen weiterhin deutsche Kultur unter deutschem Namen betreiben können und nicht in die Hände ausländischer Kunstbetriebe geraten. Bravissimo!

Rettungs-Bedingung 1: Die Managergehälter und Agentur-Provisionen der Künstler dürfen die 4-Millionen-Grenze pro Jahr nicht wesentlich überschreiten. Der Bund soll eine 20-prozentige Beteiligung an einzelnen Künstlern erhalten. Die dadurch erreichte Sperrminorität in Sachen Text und Dramaturgie erleichtert dem Bund die Möglichkeit, in künstlerische Belange eingreifen und eventuelle provokante Entscheidungen blockieren zu können, zum Schutz der Demokratie. 

Rettungs-Bedingung 2: Keine Dividenden-Ausschüttungen mehr an Bühnentechniker, Beleuchter, Pförtner und ehrenamtliche Butterbrezen-Schmierer. Das allerdings wird dann besonders weh tun...

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11.05.2020

Jetzt von meiner Seite aus mal ganz klar gesagt zu den Demos und dem dumpfen Gemaule allerorten.

Zunächst: Wer mich kennt, weiß, ich bin der herrschenden Politik nebst kapitalistischem Gefüge gegenüber ein sehr kritischer und auch streitbarer Geist. Und natürlich bin ich auch ein Verfechter demokratischer Werte, zu denen selbstverständlich auch Meinungspluralismus gehört.

Und, auch noch zur Einleitung gesagt: Die Kunst hängt wirtschaftlich gerade durch. Nebenbei: das tut sie oft genug auch in guten Zeiten.
Jetzt jedoch knallt's besonders. In schwieriger Lage wird der Kunst als erstes der Hahn abgedreht.
Zum Ausgleich dreht man ihn dann bei der Kunst als Letztes wieder auf. Heißt, stellvertretend auch für sehr viele Kollegen gesagt: seit Mitte März kann ich meinem Bühnenhandwerk nicht mehr nachgehen. Der nächste Termin im Tourplan ist aktuell Mitte September, wenn es denn dabei bleibt... das sind also 6 Monate ohne jeden analogen Theaterauftritt! Mindestens. 6 Monate Gagenausfall, für einen nicht subventionierten Solokünstler ziemlich happig.
Über die Zeit hinweg halten wir uns digital im Bewusstsein unserer Fan-Klientel, mit Gratis-Online-Späßchen, Geplänkel und Pseudo-Streaming-Konzerten, was schon fast wieder einer zusätzlichen Entwertung der Kunst gleichkommt...

Wenn jetzt jedoch wie in München und meiner Heimatstadt Nürnberg und auch anderswo ein von plumpen Populisten und Verschwörungstheoretikern ferngesteuertes komplett ignorantes sogenanntes "Volk" meint, sich gegen jede Vernunft, gegen jede Verordnung und gegen jeden solidarischen mitmenschlichen Gedanken zu Tausenden zusammenrotten zu müssen, dann schwillt mir unglaublich der Kamm! Und wenn diese Figuren das auch noch mit Freiheitsrecht und Meinungspluralität unterfüttern, misshandeln sie damit auch noch humanistische Werte. 
Denn dieses depperte egoistische unverhaltene Verhalten führt dann womöglich - mal einzig nur auf mich und Künstlerkollegen bezogen - dazu, dass wir in eine weitere, nur schwer zu bändigende Corona-Welle stolpern, die dann auch noch Allen sämtliche den Herbst betreffenden Auftritte zunichte macht. Von den Gefahren für die "Risikogruppen" in unserer Gesellschaft ganz zu schweigen...

Da dicht an dicht vor der Nürnberger Lorenzkirche stehend, von Neonazis flankiert, zu brüllen "Wir sind das Volk!", während andere mit Mundschutz brav Abstand haltend vor dem Müller-Markt auf den Einlass warten, das hatte etwas sehr Groteskes.

Da dachte ich ein paar Wochen lang: super, so ein Virus hat doch auch sein Gutes, weil es gleichzeitig ideologisch Zersetzendes zertritt und klar macht, wie hilflos doch in solchen Krisenzeiten monochromes populistisches Geplärre ist. Jetzt erlebe ich, wie diese Brut schon wieder hervor kriecht... und wie ihr viel zu viele leichtfertig auf den Leim gehen.

Mannomann, wir haben es bis hierher so toll hinbekommen, und da muss ich selbst meinem politischen Gegner Markus Söder Lob zollen. Und sagen: dass er aus dieser Sache jetzt und vielleicht auch noch für später politisches Kapital schlägt... ja und? Er wäre ein Narr, täte er es nicht.
Und an all diejenigen, die meinen, es wäre an Verordnungen alles maßlos übertrieben: Wie wollt ihr Klugscheißer das beurteilen? Was maßt ihr Euch nur an? Ihr bastelt Euch Eure ultimative Wahrheit zusammen und meint, Euch über alles stellen zu können?!
Bitte herhören: Es gibt sie nicht, die finale "Wahrheit"! Wir erleben das alles zum ersten Mal, ohne Referenz. Und selbst, wenn sich im Nachhinein vielleicht manches als übervorsichtig herausstellt: hättet ihr Lautsprecher in verantwortungsvoller Position das dann von vorneherein sein lassen? Wenn ja, bin ich heilfroh, dass ihr nie in diese verantwortliche Rolle kommen werdet.

Nochmal: Mannomann, wir haben es bis hierher so toll hinbekommen, im Gegensatz zu Ländern wie Brasilien, USA oder den Hotspots, wo alles vielleicht gerade erst am Anfang steht, mit ungewissem Ende. Mehr Bescheidenheit stünde uns eh (fast) allen gut.

Und die Sache mit dem Klima wartet um die Ecke. Und wenn wir gerade meinen, es ginge nur um Wirtschaftszahlen, um Export, um Warenhandel, Dividende und Wachstum, dann takten wir damit gleich die nächste Katastrophe ein, und bei der geht es dann nicht um Wochen oder Monate mit ohne Biergarten, sondern um die Zukunft als Ganzes...

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Liebe Freundinnen und Freunde des Kabaretts, liebes Publikum,

es ist grad alles anders als umgekehrt, wie ich mal in einem Text schrieb. Und es geht jetzt, sofern die Entwicklung überhaupt absehbar ist, im Herbst live und lebendig weiter. Darauf freue ich mich sehr! Mich betreffend sind das jetzt fünfeinhalb auftrittsfreie Monate. Das ist finanziell nicht einfach zu stemmen, aber es gibt genügend Menschen, denen es deutlich schlechter geht. Insofern klage ich, wenn überhaupt, nur verhalten.
Die Situation ist vielmehr eine gewaltige Chance für den Menschen, fehlgesteuerte Entwicklungen mit Wucht und spürbarer Konsequenz zu korrigieren. Nutzt er dies, hat das Ganze einen heilsamen Sinn. Ansonsten wäre ihm nicht weiter zu helfen. 
Ich reflektiere viel in diesen Wochen. Ich konzipiere und gestalte mit meinem Regisseur Christian Schidlowsky ein neues Projekt.
Und ich versuche, für Sie/für Euch zumindest online präsent zu bleiben, hauptsächlich auf Facebook:
https://www.facebook.com/bernd.regenauer

Ich freue mich außerordentlich auf unser analoges Wiedersehen...
Bleiben Sie gesund!
Ihr Bernd Regenauer

KünstlerAgentur Imke Nagel
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